Bild: Andreas Göbel und Hotelinhaber Marcel Gerber mit ihren Pedelecs vor dem Aktiv- und Vitalhotel Thüringen
Guido Werner/TEAG

Absteigen war gestern

Hotel fürs aktive Publikum

Unser Redakteur Andreas Göbel hat im Aktiv- und Vitalhotel Thüringen einen Zwischenstopp gemacht und bei einer Radtour in Schmalkalden ein Pedelec auf Herz und Nieren getestet.

An einem wunderschönen Montagmorgen stehe ich vor dem Aktiv- und Vitalhotel Thüringen in Schmalkalden, das hoch über dem Tal thront. Eine kleine Gruppe Gäste – mit Helm und Rad-Outfit ausgestattet – ist eben im Begriff, sich auf ihre E-Bikes zu schwingen. Eine junge Frau, die zum Hotelpersonal gehört, gibt den Radlern letzte Tipps für die Tour: „Beim Anfahren sollten Sie den Motor erst einmal ausstellen - der zusätzliche Anschub ist für viele anfangs ungewohnt", erklärt sie den Urlaubern, die offenbar Neulinge auf dem Elektrorad sind. Nach einer kleinen Testrunde setzt sich die Gruppe schließlich gut gelaunt in Bewegung und verschwindet im Wald.

Hotel fürs aktive Publikum

In der Lobby wartet schon Hotelinhaber Marcel Gerber. 2010 hatte er das Hotel in Schmalkalden gekauft und umfangreich saniert, seit 2014 ist das Haus mit 48 Zimmern voll in Betrieb. „Unsere Idee war es, den Gästen ein Angebot zu machen, das zwischen reiner Übernachtung und dem Portfolio eines Sporthotels liegt“, erklärt er beim Kennenlernen. Der Schwerpunkt liegt daher auf dem Bereich Wellness – neben einem 750 Quadratmeter umfassenden Wellnessbereich mit Pool und Saunalandschaft gibt es einen Tennisplatz und eine Bowlingbahn. Viele Gäste kommen zum Wandern oder Nordic Walking in die schöne Umgebung.

Seit drei Jahren bietet Gerber seinen Gästen auch einen kleinen Pedelec-Verleih. „Die meisten nutzen das spontan, weil sie schon immer mal ein Elektrofahrrad ausprobieren wollten und nun die Muße dafür haben.“ Sechs Räder hat das Hotel im Angebot, nach Anmeldung können aber auch größere Gruppen den Service nutzen. „90 Prozent der Gäste sind von der Erfahrung restlos begeistert“, sagt der Hotelchef.

Bild: Redakteur Andreas Göbel
Guido Werner/TEAG

Redakteur Andreas Göbel

Anschub wie von Zauberhand

Die beiden Räder, die der Hoteldirektor für diesen Tag reserviert hat, können sich durchaus sehen lassen: Die Räder von Corratec sind mit einem in der Mitte montierten Motor von Bosch ausgestattet, der Akku ist im Rahmen untergebracht. Ein Drittanbieter stellt dem Hotel die Räder zur Verfügung, die jedes Jahr ausgetauscht werden – somit ist immer das neueste Modell verfügbar.
Auch ich bekomme Tipps vor dem Start und werde in die Funktionsweise des Bordcomputers eingewiesen. Vier verschiedene Unterstützungs-Modi stehen zur Verfügung, von leichtem Anschub auf geraden Ebenen bis zum Power-Modus für steile Anstiege. Die Akkuleistung hängt von der Beanspruchung ab – 30 Kilometer seien bei durchschnittlicher Fahrweise kein Problem, erklärt Hotelchef Gerber. Beim Anfahren schalte ich wie empfohlen den Motor zunächst ab. Puuhh, tritt sich eindeutig schwerer als ein normales Rad. Aber dann... Als ich die Trethilfe schließlich aktiviere, kommt der Aha-Effekt, von dem ich schon viel gehört habe. Es ist ein Gefühl, als ob eine unsichtbare Hand das Rad von hinten anschiebt. Ich nehme mit dem Extraschub die leichte Steigung vor dem Hotel ohne Mühe. Ansonsten fährt es sich wie ein normales Mountainbike: Beim Lenken ebenso wie in Kurven oder im Gelände. Das deutlich höhere Gewicht macht sich nicht bemerkbar. Zu hören ist ebenfalls nichts: Der Zusatzmotor macht seine Arbeit fast geräuschlos.

Beliebte Ausflugsziele in der Region

Bei den Radlern stehen Rundfahrten zur Burg Maienluft bei Wasungen oder nach Dolmar hoch im Kurs. Auch zum Rennsteig oder entlang des Werratal-Radwegs führen beliebte Routen. Sogar bis Eisenach seien Gäste schon mit dem E-Bike gefahren – für größere Touren bekommen die Gäste dann ein Ladegerät zum unterwegs Auftanken mit ins Gepäck.

Vom Tal hier hoch zum Hotel sind es 170 Höhenmeter. Da können die Elektroräder ihre Vorteile voll ausspielen.“

– Hotelinhaber Marcel Gerber

Bild: Redakteur Andreas Göbel und Hotelinhaber Marcel Gerber sind mit Ihren Pedelecs auf einem Feldweg unterwegs.
Guido Werner/TEAG

Die Berge verlieren ihren Schrecken

Auf dem hohen Plateau, das sich vom Hotel bis nach Wasungen zieht, kann der Akku dann geschont werden. Dort reicht die gemächliche Unterstützung im Eco-Modus, um konstant auf etwa 25 km/h zu bleiben. Ideal, um entspannt die Schönheit der Gegend zu genießen. Ungewohnt sind nur abschüssige Strecken: Damit E-Bikes wie ein Fahrrad ohne Straßenzulassung gefahren werden dürfen, schalten sie sich bei 25 km/h automatisch ab – bergab erscheint das wie unfreiwilliges Bremsen. Öfter als gedacht komme ich auf geraden Strecken ebenfalls über das Limit. Schaltet hier der Motor ab, scheint die unsichtbare Hand, die eben noch Schub gab, am Gepäckträger zu ziehen.

Am Ende der Test-Tour über Stock und Stein wartet schließlich der Alptraum eines jeden unmotorisierten und untrainierten Freizeitfahrers: Ein Schotterweg mit irrwitziger Steigung führt durch den Wald die letzten Meter hinauf zum Hotel. Die Erfahrung sagt mir, dass ich den Weg ohne Absteigen keinesfalls hinaufkomme. Doch hier kann das Pedelec seine ganze Kraft ausspielen: Im Power-Modus und kleinem Gang fährt sich der Berg wie von selbst. So leicht, dass ich sogar eine Hand vom Lenker nehmen kann, während ich ganz entspannt bergan klettere – am Ende der fast einen Kilometer langen Steigung bin ich noch nicht einmal ins Schwitzen geraten.

Das Fazit: Auch ich gehöre am Ende zu den 90 Prozent der begeisterten Pedelec-Tester. Mit der elektrischen Trethilfe gehört die Mühe, die gerade bei steilen Strecken das Radfahren zur Tortour machen kann, der Vergangenheit an. Ob es sich allerdings lohnt, für das elektromobile Vergnügen mehrere tausend Euro zu investieren, muss jeder selbst entscheiden. Jetzt, wo die Berge ihren Schrecken verloren haben, ist für mich klar, dass ich bei nächster Gelegenheit wieder ein Pedelec mieten werde.

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